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Das Internet nimmt in Vietnam einen immer bedeutenderen Platz ein. Zwar
hinkt der Ausbau des elektronischen Handels wegen infrastruktureller
Engpässe den Erwartungen hinterher, dennoch wird für die nächsten Jahre
ein erheblicher Zuwachs erwartet. Zumindest im Business-to-Business-
(B2B-) Bereich hat sich E-Commerce inzwischen etabliert. Auch bestimmte
Business-to-Consumer-(B2C-) Segmente haben ihre Nische gefunden. Das
Hauptgeschäft machen internationale Anbieter.
E-Commerce ist in Vietnam erst seit Kurzem überhaupt ein Begriff. Noch
vor wenigen Jahren hatte nur ein geringer Anteil der Unternehmen eine
eigene Webseite, und wenn, dann war sie in den seltensten Fällen mit
einer Auftragsfunktion ausgestattet. Nur wenige Privatpersonen besaßen
Zugang zum Internet. Zahlungen per Banküberweisung oder Kreditkarte
scheiterten oft allein daran, dass die meisten Vietnamesen über kein
eigenes Bankkonto, geschweige denn über eine Kreditkarte verfügten.
Doch die Zeiten ändern sich. Das Vietnam Internet Network Information
Center (VNNIC) bezifferte die Internet-Nutzerrate des Landes für Ende
2010 auf 30%, bis April 2011 war sie weiter auf 32,6% gestiegen. Zwar
ist der Handel per Mausklick speziell im Konsumenten-Bereich (B2C) nach
wie vor wenig verbreitet, doch bis 2015 sollte Vietnam das Niveau
anderer ASEAN-Staaten erreicht haben, davon sind die Verantwortlichen
beim zuständigen Ministry of Industry and Trade (MoIT) überzeugt.
Immerhin gab es 2010 in Vietnam etwa 9.300 B2C-Webseiten, so die
staatliche Vietnam E-Commerce and Information Technology Agency (VECITA)
auf Basis einer Untersuchung der Firma Vinalink. Diese erwirtschafteten
zusammen umgerechnet rund 450 Mio. US$ an Umsatz. Die Angebote reichen
vom Bankensektor über Flugtickets und andere Tourismusangebote bis hin
zu Einzelhandelsprodukten (speziell Bücher). Nach Informationen der
Hanoi Supermarket Association ist Online-Shopping besonders für junge
Leute und Angestellte mit höherem Einkommen attraktiv, die keine Zeit
zum "richtigen" Einkaufen haben.
Weitaus bedeutsamer als B2C ist jedoch der B2B-Bereich mit circa 3.000
Unternehmen und 1,5 Mrd. US$ Umsatz. Laut MoIT nutzten Ende 2010 fast
alle lokalen Unternehmen das Internet für Firmenaktivitäten, 80% hatten
eine eigene Webseite und 70% kauften Waren oder zeichneten Kontrakte
über das Netz.
Das Gros der Transaktionen wird über internationale Größen wie die
US-Konzerne Amazon und eBay oder den führenden chinesischen Anbieter
Alibaba.com abgewickelt. Diese bauen ihre Position weiter aus. So kaufte
sich am 16.3.11 eBay mit 20% in den lokalen Software-Entwickler
Peacesoft ein. Alibaba.com ist über seinen Vertragspartner OSB
Investment and Technology in Vietnam vertreten. Die selbständige
Sales-Agentur kann im Namen von Alibaba Geschäfte durchführen, wobei
sich jedoch die meisten Kunden direkt auf die Alibaba-Webseite
einwählen. Nach einer Meldung der "Vietnam News" vom 1.4.11 nutzten
inzwischen 160.000 Firmen Alibaba.com zur Vermarktung ihrer Erzeugnisse.
Ein oder mehrere lokale Marktführer haben sich bislang nicht
herauskristallisieren können.
Angesichts der nach wie vor bestehenden technischen Unzulänglichkeiten
beschränken sich viele Unternehmen darauf, das Netz als eine Plattform
zur Präsentation ihrer Waren und Dienstleistungen zu nutzen. Doch auch
hierbei gelten viele Möglichkeiten als nicht ausgeschöpft. Insbesondere
im Export könnten Unternehmen neue Kunden gewinnen, so die Vietnam
Chamber of Commerce and Industry (VCCI). Nach Auskunft von Alibaba.com,
dem führenden chinesischen E-Commerce-Anbieter stammte über die Hälfte
der Anfragen nach lokalen Produkten aus dem APEC-Raum und aus Afrika,
berichtete "Vietnam Investment Review". Im April 2011 rief die VCCI die
Firmen deshalb dazu auf, die Chancen des elektronischen Handels etwa mit
den USA verstärkt auszuschöpfen. Die USA bilden nicht nur den größten
Markt für elektronischen Handel weltweit, sie sind überdies der
wichtigste Abnehmer für Waren aus Vietnam.
Trotz der bislang positiven Entwicklungen wachsen auch in Vietnam die
Bäume nicht in den Himmel. So schätzt ein Peacesoft-Vertreter einem
"VietNamNet"-Bericht zufolge das Jahresvolumen des E-Commerce-Handels
gerade auf einen Handelstag in der VR China. Nicht zuletzt stellen
zahlreiche praktische Probleme, wie das unzureichend entwickelte
Bankennetz, den elektronischen Handel immer wieder vor Schwierigkeiten.
Dies beeinträchtigt insbesondere den Einkauf per Mausklick durch private
Konsumenten, so das Ergebnis einer Untersuchung der Vietnam E-Commerce
and Information Technology Agency unter dem MoIT vom Jahresende 2010.
Die Kunden hätten Zweifel an der Qualität der über das Netz angebotenen
Waren und misstrauten (oft zu Recht) der Seriosität der Anbieter. Nach
Einschätzung der Marktforschungsgesellschaft TNS Media Vietnam hat zwar
die Hälfte der städtischen Bevölkerung Zugang zum Internet, aber nur 5%
tätigten Einkäufe über das Netz. 90% der Transaktionen werden über
Barzahlungen abgewickelt. Eine der großen Herausforderungen des
Masterplans zur Entwicklung des elektronischen Handels für 2011 bis 2015
ist daher der Kampf gegen Internet-Betrug und die Erhöhung der
Sicherheit, so das MoIT.
Quelle: gtai / Stefani Schmitt
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