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Deutschland und Vietnam verstärken die wirtschaftlichen Beziehungen und setzen den 2009 begonnen Rechtsstaatsdialog fort.
Deutschland und Vietnam verstärken ihre Wirtschaftsbeziehungen und setzen den
2009 begonnenen Rechtsstaatsdialog fort. Zum Auftakt ihrer Vietnamreise
unterzeichnete Bundeskanzlerin Angela Merkel am Dienstag zusammen mit
Ministerpräsident Nguyen Tan Dung in der vietnamesischen Hauptstadt dazu
eine „Hanoier Erklärung“. Wichtigster Punkt ist die Gründung einer
strategischen Partnerschaft, die mit einer Vielzahl von Punkten die
traditionell guten Beziehungen beider Länder weiter beleben soll. „Wir
wollen die Brücke, die zwischen unseren Ländern besteht, ausbauen und
pflegen“, sagte Merkel nach einem Gespräch mit Dung. Zur strategischen
Partnerschaft gehört den Angaben zufolge ein „Deutsches Haus“ in
Ho-Chi-Minh-Stadt, das bald der deutschen Wirtschaft als Stützpunkt, aber
auch dem Kulturaustausch dienen soll. Ein weiteres wichtiges Projekt ist der
Bau der U-Bahn-Linie 2 in Ho-Chi-Minh-Stadt unter Beteiligung deutscher
Firmen.
Außerdem unterzeichneten Vertreter beider Länder den Angaben zufolge eine
Erklärung zwischen der Bundesdruckerei und dem vietnamesischen Ministerium
für Sicherheit zur Herstellung von biometrischen Pässen. Zudem wurden 467
Millionen Euro an deutschen Krediten und Zuschüssen für die
Entwicklungszusammenarbeit an konkrete Projekte in den Bereichen Umwelt,
Klima, Energie, Gesundheit und Verkehr gebunden. Das Geld war bereits
zugesagt worden, es gab aber bisher keine spezielle Verwendung.
Verlässliche Rahmenbedingungen gefordert
Merkel betonte, Vietnam habe eine sehr gute wirtschaftliche Entwicklung hinter
sich. Die CDU-Vorsitzende forderte gleichzeitig aber auch verlässliche
rechtliche Rahmenbedingungen bei Investitionen deutscher Firmen. Hintergrund
ist, dass die vietnamesische Wirtschaft von Staatsunternehmen dominiert wird
und ausländische Firmen über eine mangelhafte Vertragssicherheit und Fälle
von Korruption klagen. Zudem mahnte Merkel die Wahrung von Menschenrechten
sowie die Einhaltung der Presse- und Meinungsfreiheit an.
Der 87-Millionen-Einwohner-Staat Vietnam verfügt über ein hohes
Wachstumspotenzial. Zwischen 2000 und 2010 gab es nahezu eine Verdoppelung
des Bruttosozialprodukts. Deutsche Unternehmen sind zahlreich in dem Land
vertreten, allein in Ho-Chi-Minh-Stadt sind rund 200 Firmen präsent.
Deutschland ist größter EU-Handelspartner Vietnams. Die wichtigsten
vietnamesische Exportprodukte nach Deutschland sind Schuhe, Textilien,
Kaffee, Pfeffer, Meeresfrüchte und mittlerweile auch Elektronikartikel und
Möbel. Im Gegenzug führt das Land Maschinen, Fahrzeuge und
Ausrüstungsgegenstände sowie Produkte der chemischen Industrie aus
Deutschland ein.
Außenämter sollen Kontrolle haben
Zur praktischen Umsetzung wollen beide Seiten eine „Strategische
Steuerungsgruppe“ einsetzen, die auf Ebene der Außenämter angesiedelt ist.
Die Gruppe soll sich regelmäßig treffen und bei Bedarf Experten zurate
ziehen.
Auch auf internationaler Ebene wollen Deutschland und Vietnam verstärkt
zusammenarbeiten. So wurde die Unterstützung einer „umfassenden,
zukunftsorientierten Reform“ des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen
verabredet. Zudem unterstützt Deutschland die Unterzeichnung eines
Freihandelsabkommens zwischen der EU und Vietnam.
Auch die Euro-Krise war kurz Thema zwischen Merkel und Dung. Die Kanzlerin
erklärte, sie habe den Willen der Euro-Länder deutlich gemacht, die Krise zu
bekämpfen. Dung sagte, er sei überzeugt davon, dass der Euro-Raum weiter
bestehen und sich entwicklen werde.
Abschluss in der Mongolei
Merkel war am Dienstagmorgen Ortszeit in Hanoi eingetroffen und von Dung mit
militärischen Ehren empfangen worden. Die Regierungschefin wird von einer
Wirtschaftsdelegation begleitet. Es ist ihre erste Reise nach Vietnam. Nächste
Station ist am Mittwoch Ho-Chi-Minh-Stadt im Südteil des Landes. Am
Donnerstag, dem letzten Tag ihrer Reise, ist Merkel in der mongolischen
Hauptstadt Ulan Bator zu Gast. Merkel hatte ursprünglich geplant, Vietnam
Ende Juni im Rahmen ihrer Reise nach Indien und Singapur zu besuchen. Der
Besuch war aus Termingründen aber verschoben worden.
Quelle: 11. Okt 2011, HAMBURGER ABENDBLATT
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